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Beiträge vom 21. März 2008

Ausstellungsstücke

Freitag, 21. März 2008 | Autor: mouchi

Türbe (Grabmal) von Dschelaleddin RumiHeute ist die Türkei ja so etwas wie ein Billigurlaubsland und die Strände sind mit international standardisierten Hotelbauten zugepflastert. Damals war das alles noch anders. Als Studentin von Geschichte und Kultur des Vorderen Orients wollte sie unbedingt eines der Länder besuchen, und die Wahl fiel auf das nahe liegendste, die Türkei.

Das Abenteuer begann schon mit der Anreise, für die so genannten Gastarbeiterzüge benutzte die Bahn damals ihr ältestes Wagenmaterial, halb auseinander fallende D-Zugwagen mit 8er-Abteilen statt der später üblichen Sechssitzer. Der Zug war natürlich überfüllt, nicht nur mit Menschen sondern auch mit Gepäck, das sich in allen Abteilen und Gängen stapelte. Und das auf einer 50-Stundenfahrt von Frankfurt nach Istanbul.

Später in der Türkei war das Verkehrsmittel der Wahl dann der Bus, liebevoll mit Stickereien verzierte Gefährte bei denen auch auf dem Motorraum das Masallah (Gottes Wille geschehe) stand. Natürlich waren auch die Busse überfüllt, oft mit kleinen Holzstühlen im Mittelgang ausgestattet, um die Sitzplatzkapazität zu erhöhen. Und in manchen Gegenden dienten sie auch als Krankenwagen zur Fahrt in den nächsten Ort, einmal wurde der Bus auf freier Strecke angehalten und zwei Männer brachten eine blutüberströmte Frau in den Bus, die sie verzweifelt am Atmen zu halten versucheten, oder besser, mit Hilfe eines Kugelschreibers daran hinderten, die eigene Zunge zu verschlucken.

Es war 1972 und das deutsche Studentenpaar sah so aus, wie Studenten damals häufig aussahen, er mit langen blonden Haaren und einem Vollbart, sie mit einem Jeansanzug. Sie hätten bedenken sollen, dass in manchen Ecken des Landes Touristen eher selten vorkamen und Studenten erst recht nicht so häufig. Denn als sie eines Tages etwa zwei Stunden vor Abfahrt des Busses am Busbahnhof ankamen, bildete sich gleich eine Menschentraube um sie herum. Die meisten Leute standen einfach da und bestarrten sie wie exotische Tiere, andere setzten sich neben sie, betasteten ihren Jeansanzug oder fassten ihm in den Bart und sagte Hadschi, um ihm zu bedeuten, dass ein Vollbart denen vorbehalten sei, die nach Mekka gepilgert waren.

Damals herrschte eine der vielen Militärregierungen in der Türkei und so waren auch gleich Soldaten zur Stelle, die lustlos versuchten, die gaffende Menge ein wenig im Zaum zu halten, aber am liebsten sich dazu gesellt hätten, um auch zu schauen.

Irgendwie wie sie müssen sich im 19. Jahrhundert die Menschen und “Monster” gefühlt haben, die in Jahrmarktsbuden ausgestellt wurden. Auf jeden Fall hatten viele Leute hinterher etwas zu erzählen.

Foto: Georges Jansoone (GNU Free Documentation license)

Thema: Erinnerungen | Kommentare geschlossen