Mein erstes Auto
Dienstag, 25. März 2008 | Autor: mouchi
Von seiner Abfindung als Bundeswehr Z8-Soldat hat sich mein Vater nicht nur eine Ausbildung als Buchhalter geleistet, sondern sich auch das erste Auto der Familie gekauft, einen VW Käfer ungefähr des Baujahres 1965. Die Farbe war irgendwie bordeauxrot, und der Wagen war neu, nicht so wie auf dem Foto mit fehlenden Chromzierleisten. Irgendwann auf der Rückkehr nach einem Besuch bei meinen Großeltern in Lübeck blieb der Wagen dann ca. im Jahr 1970 auf der Autobahn zurück nach Hamburg stehen. Diagnose: Motorschaden.
Mein Vater wollte ihn dann nicht mehr, und ich habe ihn dann so, wie er war, übernommen und von meinem Ersparten und von meinem, zugegeben, damals luxuriösen Stipendium repariert und einen Austauschmotor spendiert. Und ich hatte mein erstes Auto.
Und mit diesem Auto sind dann schon einige Erinnerungen verbunden. Der Wagen kam mir zupass, denn meine Freundin wohnte in Mainz und ich studierte in Hamburg, da musste schon irgendein Gefährt her, um das Pendeln zu bewältigen. Ich war ja vollkommen unbeleckt von Autotechnik und so passierten mir Sachen, die einem geschulten Autofahrer nicht passieren würden. Bei einem Besuch in Mainz zum Beispiel fuhr ich Bekannten hinterher, die mir den Weg weisen wollten. Und plötzlich bremsten sie vor einer Ampel und ich fuhr ihnen, ohne dass ich wusste warum, einfach hinten rein. Die Werkstatt stellte bei mir einen Totalschaden fest, aber reparierten den Wagen nach einiger Diskussion “auf billig”, indem der Kotflügel einfach gerade gezogen wurde.
Auf der Fahrt zurück nach Hamburg konnte ich kaum mehr als 60 fahren. Nein, nicht wegen des Autos, sondern wegen der Wetterbedingungen, es schneite heftig. Als ich dann in Hamburg wenige Tage später wieder jemandem aufs Heck fuhr (ohne großen Schaden), wurde mir das dann aber doch unheimlich und ich brachte den Wagen noch einmal zur Werkstatt. Die stellte dann ein Leck im Hauptbremszylinder fest und ich war im Nachhinein absolut glücklich wegen der Langsamfahrbedingungen auf der Fahrt nach Hamburg, nicht auszudenken, wenn ich mit 120 km/h auf der Autobahn plötzlich hätte bremsen müssen mit nicht funktionierender Bremse. Dass die Mainzer Werkstatt darauf nicht hingewiesen hat, wundert mich noch heute.
Bei diesem VW gehörte übrigens ein Groschen (10 Pfennig, äquivalent zu gut 5 Cent) immer zur Grundausrüstung. Der Anlasser zickte oft und es half dann nur, die Zündung mit dem Groschen kurz zu schließen, damit er startete.
Der Auffahrunfall hatte später noch kuriose Folgen. Auf der Rückfahrt vom Studium in London mit dem vollkommen überladenen Käfer hatte ich auf der Fähre erhebliche Schwierigkeiten, der gerade gezogene, improvisierend reparierte Radkasten verhinderte ein enges Einlenken auf der Fähre, so dass ich glücklich war, als letzter Fahrer diese endgültig verlassen zu können. Und später bewirkte diese Reparatur ein rapides Durchrosten des Radkastens, so dass bei starkem Regen das Wasser im Fussraum mehr als einen Zentimeter stand.
Irgendwann habe ich den Wagen dann durch ein anderes Familienauto ersetzt, den Fiat 124 meines Großvaters, aber das ist eine andere Geschichte.
Foto: Ma-Eh Lizenz: Alle Rechte vorbehalten. Dieses Foto ist öffentlich




