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Beiträge vom 14. April 2008

Old, New, Any Economy

Montag, 14. April 2008 | Autor: mouchi

Web 2.0Alle reden zur Zeit von Web2.0 und neuen Firmen mit Superideen, die viel Geld machen können. Erinnerungen werden wach an eine Zeit vor 6-8 Jahren, als die so genannte New Economy boomte, junge Firmen bekamen einen Riesenbörsenwert, um dann fürchterlich abzustürzen.

Gleichzeitig erlebt zur Zeit die Old Economy, insbesondere die Banken, zur Zeit ein absolutes Desaster wegen der Hypothekenkrise in den USA. Beides sind irgendwie Blasen oder Medienhypes, die plötzlich auftreten und hochgejubelt werden, erst treibt das den Wert, aber die Schreiber sind auf Nachrichten aus und beobachten alles genau, um die Firmen, die sie hochgeschrieben haben, dann plötzlich runter zu schreiben. Dabei scheint das alles doch so einfach, es gibt Firmen, die solide und wirtschaftlich arbeiten oder solche, die nicht kalkulierbare Risiken eingehen. Egal, ob New oder Old oder irgendwie geartete Economy.

Ihm ist irgendwie vieles davon bekannt. Damals, in den 70er Jahren, er hatte gerade sein Studium abgeschlossen, er wollte eigentlich promovieren und suchte nur einen Job, um die Zeit bis zur Gewährung des Stipendiums zu überbrücken. Da fiel ihm die Anzeige der Softwarefirma ins Auge, die Leute suchte, um Programme für einen Bankencomputer zu schreiben. Naja, da kann man sich ja mal melden, und so fand er sich dann plötzlich wieder in einem Crashkurs zur Programmierung eines Bankencomputers einer Firma aus Villingen im Schwarzwald, 4 Wochen, natürlich unbezahlt, aber mit der Aussicht auf einen Job danach.

Der Kurs war ein Kinderspiel, er arbeitete sich schnell ein und war ein erfolgreicher Teilnehmer, so dass man ihm dann einen Vollzeitarbeitsvertrag anbot. Das Gehalt fand er hoch, auch wenn er später feststellte, dass es doch um einiges unter marktüblichen Konditionen lag. Aber, beeinflusst von den Ideen der 68er, fand er die Idee der Firma toll: man sollte so etwa 1-2 Jahre arbeiten, dann würde man Gesellschafter und mit beteiligt an der Firma oder man sollte wieder gehen. Also ließ er sich darauf ein, vergaß die Promotion, die Aussichten in der Wissenschaft waren sowieso nicht gut kurz nach Verabschiedung des Hochschulrahmengesetzes (Professor nach 6 Jahren oder aus an der Uni). Ja er verzichtete sogar auf das Beantragen des Stipendiums und fand seine Arbeit spannend.

Das Modell hätte auch gut gehen können, es gibt andere Dienstleister da funktioniert das, wie er später erfuhr, bei Rechtsanwälten, Beratern und anderen Dienstleistern. Dass das mit einer gehörigen Portion Selbstausbeutung einher geht lernte er nur nach und nach.

Aber die Leute in dieser Firma waren kreativ, sie hatten Ideen, die sie verwirklichen wollten, und sie waren gut. Nach und nach verließen sie das Feld der Dienstleistung und begannen Produkte zu entwickeln, SUperideen und vor ihrer Zeit. Intel war schlecht, sie setzten auf Zilog oder Motorola. Microsoft war nur kommerziell, Unix war viel besser usw. usw. Trotzdem schafften sie es, Geldgeber zu überzeugen. Was man knapp zwanzig Jahre später über einen Aktiengang am Neuen Markt gemacht hätte hieß damals das Einwerben von Fördergeldern und Überzeugen von Venturekapitalgebern. Beides überaus erfolgreich.

Es wurde also geklotzt in der Produktentwicklung. Das dienstleistungsorientierte Beteiligungsmodell geriet aus den Fugen. Und die guten technischen Ideen bewirkte auch eine ziemliche Arroganz gegenüber dem tatsächlichen Markt, man war immer ein Stück voraus, was auch heißt, man hat am Markt vorbei entwickelt.

Ein Stück der Firma fand er später im Deutschen Museum in München, aber der Verkaufserfolg stellte sich nicht ein, Venture- und Fördergelder waren irgendwann alle und die Firma ging pleite. Er hatte das spät, aber rechtzeitig erkannt und war zwei Jahre davor abgesprungen und in eine spezielle Beratung gegangen. Sich verkaufen konnte er trotzdem nicht, gelernt hatte er auch nicht und landete tatsächlich in der so genannten New Economy.

Auch dort wurde Geld mit vollen Händen ausgegeben, nur war es diesmal Geld vom Aktienmarkt. Auch dort wurde er mit Beteiligung gelockt, diesmal aber in Form von Aktienoptionen, die schon bei Ausgabe weniger wert waren, als er bei Wahrnehmung hätte zahlen müssen. Auch dort wurde das Geld genommen, man hat es mit vollen Händen ausgegeben, man war ja technologisch so toll, aber im Ende nicht wirtschaftlich erfolgreich.

Label “New Economy” oder “Old Economy” hin oder her, man muss sehen, dass die Bilanz stimmt, nicht nur kurzfristig.

Es gab immer Warner, in der alten Firma waren es die “Abweichler”, die den Produktkurs nicht mitmachen wollten und Recht behalten sollten, in der New Economy sah er jeden Tag nach bei dotcomtod.

Auch heute liest er noch Protagonisten dieser Seite wie Don Alphonso oder Lanu oder die BooCompany. Mittlerweile arbeitet er aber bei einer Staatsfirma und wird nach öffentlichem Tarif bezahlt. Noch glaubt er allerdings nicht, dass das besser ist als in einer Economy, nur anders ist es auf jeden Fall.

Foto: Joi Ito from Inbamura, Japan – License: Creative Commons Attribution 2.0

Thema: Erinnerungen | Kommentare geschlossen