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Unwetter

Dienstag, 22. April 2008 | Autor: mouchi

Airbus PanAmSchwarz ist der Himmel über Tegel. Der Flughafen ist sehr leer, es wirkt fast so, als ob alle Einwohner und Gäste Berlins zu Hause geblieben sind, wie Tiere, die sich vor einem drohenden Unwetter verkriechen. Er muss zurück nach Hamburg, der schnellste weg ist das Fliegen, mit einer Flugzeuggesellschaft der Alliierten, die das Flugmonopol in der Stadt haben.

Er ist früh da und wandert langsam durch das runde Terminalgebäude, bis er an dem Ausgang ist, von dem der Flug der Pan American nach Hamburg abfliegen soll. Das Terminal wirkt wie abgesperrt für Filmaufnahmen, nur ein paar Komparsen verirren sich in den Gängen. Gleich kommt er dran, erhält die Bordkarte, das geht schnell, denn Gepäck hat er keines, er braucht es auch nicht für eine Tagesreise.

Passkontrolle, diesmal gibt es keine Probleme, er hat alles dabei. Er denkt zurück an den Flug, wo er verzweifelt den Ausweis suchte und nicht fand. Er wurde zur Flughafenpolizei geschickt, um sich ein provisiorisches Reisedokument zu holen und es überreicht bekam mit der Bemerkung, dass er jetzt gespeichert sei und nächstes Mal keinen provisorischen Ausweis mehr bekommen würde.

Am Flugsteig sitzen drei oder vier Leute, augenscheinlich in ihre Zeitungen vertieft, es ist aber eine große Spannung zu spüren. Die Wolken werden dunkler, die ersten Blitze erhellen den Himmel, dumpfes Grollen dringt durch die dicken Scheiben. Eine Verspätung wird durchgesagt, der Flug ist um 10 Minuten verzögert.

Mittlerweile hat es zu regnen angefangen, dicke Tropfen klatschen auf die großen Fenster. Da kommt der Aufruf, man kann einsteigen. Er geht den fensterlosen Gang zum Flugzeug, findet seinen Sitz. Er kann kaum aus dem kleinen Fenster schauen, Wasserbäche finden ihren Weg von oben nach unten. Vielleicht 15 oder 20 Leute verlieren sich im Airbus der etwa 300 Sitze hat.

Der Pilot meldet sich und kündigt einen unruhigen Flug an. Dass ein Unwetter tobt, das kann man sehen, und er wird unruhig, er weiß dass ein Gewitter nicht die einfachste Situation ist für einen Piloten. Die Flugzeuge nach Hamburg dürfen nicht über 3000 m steigen, es ist klar, dass der Airbus da nicht über das Unwetter hinaussteigen kann. Der Pilot weist darauf hin und erklärt er wolle das Unwetter auf 500 m unterfliegen.

Langsam rollt das Flugzeug zur Startbahn, geht in Posititon. Die Triebwerke heulen auf, langsam nimmt das Flugzeug Fahrt auf, der Regen auf den Scheiben geht langsam von der Senkrechten in die Horizontale, wird immer dünner verweht von den Winden, die durch die Geschwindigkeit erzeugt werden, das Fenster wird langsam frei, gibt den Blick frei auf immer mehr Lichtkaskaden, Blitze die aus den dunklen Wolken zucken.

Nur langsam gewinnt das Flugzeug an Höhe, die Kabine ächzt und knarrt, beim Blick aus dem Fenster sieht er, dass die Tragflächen mehr und mehr ausschlagen, fünf, sechs Meter nach oben, und wieder zurück. Und plötzlich steigt das Flugzeug nicht mehr, unwillkürlich krallt er sich am Sitz fest, es steigt eine Angst hoch, die er sonst nie verspürt beim Fliegen. Ächzen aus der Kabine, Ausschlag der Flügel, zehn lange Minuten. Und plötzlich ist es vorbei, ganz ruhig liegt der Airbus in der Luft und steigt ganz langsam auf die vorgesehenen 3000 Meter.

Nur mit wenig Verspätung landet er in Hamburg.

Foto: John Allan Lizenz: GNU Free Documentation license

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Thema: Erinnerungen

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