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Beiträge vom 28. April 2008

Fondue

Montag, 28. April 2008 | Autor: mouchi

Käsefondue Offensichtlich werden Käsefondues wieder modern. Jedenfalls habe ich letzte Woche in London wieder mal eines genossen und das rief natürlich Erinnerungen wach an eine Zeit, als so etwas sehr exotisch war.

Es war wohl im Jahr 1970 als ich mit A. auf eine Anhaltertour in Richtung Frankreich aufbrach. Die Reise sollte uns letztlich nach Avignon führen. Mein Vater leitete damals ein Blasorchester in Schwarzenbek, eine Kleinstadt vor den Toren Hamburgs, die eine Städtepartnerschaft mit Aubenas in Frankreich abgeschlossen hatte. Vor der Reise wurden wir also mit Gastadressen versorgt, mit der Maßgabe, dort auf jeden Fall vorbei zu schauen, vielleicht eine Beruhigung für die Eltern, die dann wenigstens eine verlässliche Zwischenmeldung von der Reise bekommen konnten.

Die Fahrt dorthin war schwierig genug, eines Abends waren wir gestrandet, es wollte uns einfach niemand mitnehmen. Und es wurden immer mehr Tramper, die auch nicht weiter kamen, bis dann irgendwann ein junger Franzose vorbeikam. Er erklärte, dass er sich mit seinen Eltern verkracht hätte und lud uns ein, die Nacht auf dem Heu in einer Scheune zu verbringen. So zog ein müder Tross von stecken gebliebenen Anhaltern hinter ihm her und freuten sich, die Nacht in Ruhe verbringen zu können. Er erzählte uns auch von dem Problem, in der Gegend war einige Tage zuvor ein Autofahrer von einem Anhalter umgebracht worden.

Trotzdem ging es irgendwann weiter und wir kamen schließlich in der Gastfamilie Eine gemütliche, dicke Frau, die Frau des Bürgermeisters hieß uns willkommen und zeigte uns unser Bett. A. und ich in einem Ehebett. Vielleicht wäre ich gerne schwach und schwul geworden, aber ich habe mich nicht getraut und zu erschöpft waren wir allemal. So erschöpft, dass wir am nächsten Tag bis in die Puppen schliefen, so lange, dass unsere Gastgeber schon überlegten, ob sie nicht die Polizei rufen sollten.

Am nächsten Abend gab es dann ein Essen, dass ich noch nicht kannte. Die Bürgermeisterfrau machte ein Käsefondue, zubereitet in einem verbeulten, normalen, türkisen Emaillekochtopf. Ich fand das total exotisch und genoss jeden Bissen dieses Essens. Vielleicht das beste Essen auf dieser Reise, dicht gefolgt von dem Essen mit Baguette, Käse und Rotwein aus der Flasche “sur le pont d’Avignon”, unter den Brücken von Avignon, wo jedermann tanzt.

Obwohl, bei näherem Nachdenken war das mit dem Fondue 3 Jahre später, in der Gastfamilie beim Sprachkurs in Tour. A., weisst Du es besser?

Foto: johl Lizenz: Creative Commons Attribution Share Alike

Thema: Erinnerungen | 2 Kommentare