Appetitanreger
Dienstag, 29. April 2008 | Autor: mouchi
H. war ziemlich hager, ja man kann sagen, dass er richtig dünn war. Lange Haare, leicht fettig, hatte er und einen eher spärlich wachsenden Vollbart. Er war Fan von Jimi Hendrix und er hielt sich für alternativ. Wenn ich ihn besuchte, dann bereitete seine Freundin garnierte Schnittchen vor, Brot mit gekochtem Schinken, mit Meerrettich garniert.
Überhaupt die Freundin. Sie war immer im Hintergrund, eine immer bereite Dienstleistungskraft, wenn er von ihr redete, sprach er von seinem Schnittchen. Stolz redete er davon, dass sein Arzt ihm Haschisch verschrieben hatte, um seinen Appetit anzuregen. Natürlich drehte er sich dabei einen Joint.
Wien hat seine Machos und H. war einer davon, auch wenn er sich selbst als progressiv bezeichnete, ein Vorbote der neuen Zeit. Man wusste nie, ob es so gemeint war oder ob es sich um einen typischen Schmäh handelte, für den die Wiener bekannt sind.
An einem Wochenende, an dem ich in der Stadt bleiben musste, der Kunde zahlte Heimflüge nur alle zwei Wochen, da fragten mich F., mit dem ich zusammen arbeitete, und H., ob ich mitfahren wolle in die Kleinstadt, nach St. Pölten. Ich hatte nichts Besseres zu tun und war für jede Abwechslung dankbar, so willigte ich ein. Im weißen Opel Rekord von F. ging es in rasanter Fahrt aufs Land, eine Disko wurde angesteuert.
Als wir dort ankamen, hatte ich schon ein merkwürdiges Gefühl. Es war klar, dass H. und F. dort erwartet wurden, offensichtlich war es nicht das erste Mal, dass sie dort auftauchten. Mit mir im Schlepptau, schlenderten sie durch die Kleinstadtdisko, wurden von fast allen begrüßt. Nur langsam bekam ich mit, was dort ablief. Offensichtlich waren H. und F. die Stofflieferanten in der Stadt, diejenigen, die dafür sorgten, dass St. Pölten den kleinen Trip nehmen konnte am Wochenende.
Auf der Rückfahrt erzählte mir F. von wilden Verfolgungsjagden mit der Polizei, denen er immer wieder entwischte in rasanter Fahrt.
F. ist mittlerweile Chef einer Computerfirma, von H. habe ich nach meiner Rückkehr nie wieder etwas gehört.
Foto: Chmee2 Lizenz: GNU Free Documentation license
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