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Trampen (1)

Dienstag, 13. Mai 2008 | Autor: mouchi

Heidelberger SchlossInsgesamt habe ich als Schüler und Student 3 Tramptouren mit A. gemacht. Die erste davon führte uns in den Süden Deutschlands, das dürfte im Alter von etwa knapp 17 gewesen sein. Wenn ich mich recht entsinne führte uns die Tour nach Miltenberg, das später für mich noch einige Bedeutung gewinnen sollte, dann in den Odenwald und über Heidelberg und Bamberg an den Rhein und zurück nach Hamburg. Natürlich sind solche Erinnerungen immer gefärbt, da kann es schon passieren, dass die Reisen etwas durcheinander geraten.

Das Fahren per Anhalter war in der zweiten Hälfte der Sechziger eine durchaus normale Fortbewegungsreise. Und da unsere Reise einiges an Kultur zu bieten hatte, hatten wir auch die Zustimmung unserer Eltern, die über die Reise voll informiert waren. Miltenberg am Main ist ein historisches Städtchen am Rande des Odenwalds, wohin mich meine Wege fast 20 Jahre später noch häufiger hinführen sollten, dann Amorbach mit dem bekannten Kloster, Heidelberg als Sinnbild Deutschlands für viele, die Barock- und Rokokostadt Würzburg, Bamberg mit dem größten unversehrt erhaltenen historischen Stadtkern in Deutschland und dann natürlich der Rhein.

Das Trampen lief gut, die Leute waren wenig misstrauisch, eine Frau in einem Mini mit Minirock hat uns zwei junge Männer einmal mitgenommen und dann ganz erschreckt gemeint, huch, sie wüsste gar nicht, warum sie uns mitgenommen hatte, eigentlich sollte sie doch Angst haben.

Natürlich waren alle angesagten Sehenswürdigkeiten auf der Liste, und bei einer dieser Sehenswürdigkeiten schlug dann das Klischee zu: ich hatte mein Herz auf dem Heidelberger Schloss verloren. Ich traf eine Dänin, Ellen, ein Name, der auch später für mich Bedeutung erlangen würde, und ich war hin und weg. Der arme A., er war fortan abgemeldet, hat es aber mit Fassung und Toleranz ertragen. Da wurd egeturtelt, geflirtet, geküsst, alles in Ehren, denn wir waren ja letztlich behütete (Klein-)Bürgersöhne, aber es waren schöne und traumhafte Tage.

Ich bin mir jetzt nicht mehr sicher, für die Sehenswürdigkeiten hatte ich keinen Blick mehr, ich kann nicht einmal sagen, ob E. auch nach Würzburg weiter gereist ist und ich sie dort wieder gesehen haben, in meiner Erinnerung ist das so verankert. Auf jeden Fall blieb ich in Briefkontakt, und nach diesem verliebten Sommer war auch ein Besuch in Kopenhagen schon verabredet, ich erinnere mich noch daran, dass ich die Bestellung der Alkoholmitbringsel schon erhalten hatte. Der Besuch in Kopenhagen kam dann aber nicht zustande, während meine Mutter das Trampen erlaubt hatte, war sie dann strikt gegen den Besuch in Dänemark. Meinem Vater wäre das sicher egal gewesen.

Der Rest der Reise ist im Liebesrausch versunken, da gibt es nicht viel, an das ich mich erinnere, vielleicht sticht der Besuch einer Veranstaltung in Bamberg noch heraus, da waren nämlich in unserer Anwesenheit eine Variante der Hell Drivers zu Gast.

Schließlich landeten wir (oder nur ich?) am Rhein, wo meine Eltern in einer ganz normalen Pension Urlaub machten. Immer noch verliebt und total erschöpft war ich wieder im Schoß der Familie gelandet.

Foto: Wowox Lizenz: GNU Free Documentation license

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Thema: Erinnerungen

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2 Kommentare

  1. 1
    Andreas 
    Sonntag, 18. Mai 2008

    Lieber Axel,
    auch die erste Tour ist mir gut in Erinnerung. Wir waren mit meinen Eltern, dem blauen VW-Käfer meines Vaters, nach Waldmichelbach im Odenwald gefahren und sind von dort aus gestartet. In Heidelberg waren wir im legendären weltgrößten Weinfass, ansonsten erinnere ich nicht viel. Zufällig hat mich eine Software-Schulung vor 4 Wochen nach Heidelberg verschlagen. Ich habe nichts wiedererkannt und auch nach wohlwollendem Suchen habe nicht so wirklich was tolles an dieser Stadt entdecken können.
    In Würzburg sind mir die sagenhaften Deckengemälde des Tiepolo in der Residenz in Erinnerung. Wir haben auch den Weg über die Brücke zum “Käppele” bei sengender Hitze absolviert. Es blieb die Frage offen warum man solch Quälerei eigentlich auf sich nimmt. Deine Dänin erinnere ich noch, ich war ein weinig eifesüchtig bzw. neidisch. (in meiner Erinnerung habe ich sie allerdings auf unserer 3.Tour nach Frankreich in der Jugendherberge von Avignon abgespeichert….oder war das noch eine andere?).
    Das Trampen in Deutschland war auf jedenfall leichter als in Frankreich und Holland.
    Einmal in der Nähe von Frankfurt sind wir von einem Lastwagen (Kies-Kipper) mitgenommen worden, der nach Hanau fuhr. Ich weiß noch, dass keiner von uns eine blasse Ahnung hatte, wo das liegt. Wir vermuteten, dass es im thüringer Wald liegen müsse und waren dann doch enttäuscht, dass wir nach einer halben Stunde wieder auf der Strasse standen.
    Zum Schluss bist Du zu Deinen Eltern (bei Strasburg?) und ich zu meinen Eltern nach Waldmichelbach zurück.
    Andreas

  2. Die Frankreichreise kommt noch, aber da waren wir in Avignon in einer provisorischen Erweiterung der JH, nämlich in einem großen Zelt. An eine Frau auf der Reise erinnere ich mich nicht. Meine Eltern waren danals am Rhein und nicht in Straßburg.