Trampen (2)
Mittwoch, 14. Mai 2008 | Autor: mouchi
Die zweite Tour ein Jahr später führte A. und mich im nächsten Jahr dann nach Großbritannien. Und von heute aus betrachtet war diese Reise im Jahr 1969 irgendwie als historisch zu betrachten, zumindest haben wir einige heute als historisch bezeichnete Ereignisse erlebt. Aber der Reihe nach.
Unsere Tour führte uns zunächst nach Holland, und die Niederlande waren auch damals nicht so einfach für Anhalter. Wir hatten unser Ziel, Hoek of Holland nicht erreicht und übernachteten irgendwo in einem Feld in der Nähe des Ijsselmeers. Am nächsten Tag erreichten wir dann die Fähre, waren aber entsprechend erschöpft, als wir dann die Insel erreichten.
Aber wir hatten Glück, mit der ersten Tour nach Harwich nahm uns ein Handwerker in seinem Lieferwagen mit nach London. Irgendwie fühlte er Verantwortung für uns, brachte uns also erts einmal in seine Wohnung nach London, wo er uns ein Bett für die Nacht zur Verfügung stellte. Wir haben fern gesehen an diesem Abend, damals gab es im Vereinigten Königreich schon kommerzielle Fernsehkanäle, ich erinnere mich an einen Werbespot für Staubsauger, der irgendwie folgendermaßen ablief: Im TV wurde gesagt “Have you got a Hoover 50?” und die Handwerkerfamilie antwortete unisono: “No!”
Am nächsten Tag wurden wir dann in der Jugendherberge im Epson Forrest untergebracht und genossen die Tage in London. Und zu genießen gab es genug, die Reihenfolge kann ich nicht mehr mit Sicherheit bestätigen, aber an einem Tag mischten wir uns unter all die Menschen, die am Trafalgar Square gebannt auf die Großleinwand starrten und dem Bericht von der Mondlandung folgten.
An einem anderen Tag waren wir im Hyde Park unter noch mehr Menschen und folgten einem Superlivekonzert. eintrittsfrei, es war das Konzert, auf dem die Rolling Stones auftraten, nachdem Brian Jones ertrunken war. In Erinnerung an ihn ließen die Stones tausende Schmetterlinge frei.
Von London führte uns unsere Tour nach Chester bei Liverpool und dann nach Edinburgh. In Schottland war es diesmal umgekehrt, A. verliebte sich in eine Schottin, ich glaube Margarete hieß sie und ich musste dann das Geturtele aushalten. Allerdings hatte ich die beste Freundin zum Trost.
Auf der Rückfahrt von Edinburgh nahm uns der Fahrer eines Rovers mit und wir dachten schon, dass er unheimlich was auf dem Kerbholz hatte. Denn während der Fahrt forderte er uns immer wieder eindrücklich auf, nach Polizei Ausschau zu halten. Erst nach einiger Zeit wurde uns klar, dass er nicht auf der Fahndungsliste stand, sondern einfach die für uns Deutsche ungewohnte Geschwindigkeitsbegrenzung nicht beachten wollte.
In London griffen wir dann noch einmal auf den Handwerker zurück, nach Anruf nahm er uns noch eine Nacht auf. Da unser Geld langsam zur Neige ging, übernachteten wir dann in der nächsten Nacht in unserem Schlafsack im St James Park. D, hat es mir später nicht geglaubt, aber es war eine sehr beschützte Nacht. Ich erinnere mich daran, dass einer der typischen englischen Bobbys uns in der Nacht weckte und fragte, ob wir eine Frau hätten schreien hören. Wir verneinten und er ließ uns in Ruhe.
Der Urlaub neigte sich dann dem Ende zu und wir versuchten, sehr schnell zurück nach Hamburg zu kommen. Es gin auch sehr schnell, wir waren früh in Dover und entschlossen uns, so schnell wie möglich weiter zu fahren. Die Fähre braucht nicht lange und es ging von Calais sehr schnell weiter. Und kurz vor aachen, noch immer in Belgien, da steckten wir dann plötzlich an einem Autobahnkreuz fest. 10 Stunden, 15 Stunden, 20 Stunden, kein Weiterkommen in Sicht. Irgendwann ging es weiter und wir landeten total erschöpft kurz hinter der Grenze in Aachen.
In Belgien hatten wir keine Deviesen getauscht, deswegen fielen wir nach der Grenze in Aachen in das erste Gasthaus ein und bestellten eine Brotplatte und Bier und wir fielen ausgehungert darüber her.
Aber wir wollten weiter und an die folgende Fahrt erinnere ich mich nur insofern als dass ich die Fahrten verdöst habe. Irgendwann waren wir so total erschöpft, dass wir uns mit unseren Schlafsäcken in einen Graben verzogen auf einer Raststätte an der Autobahn. Am nächsten Morgen wurden wir von der Polizei geweckt mit einer Lautsprecherdurchsage: “Aufstehen, die Autobahn ist kein Schlafplatz!”
Es ging weiter und wir waren dann froh, als wir bei A.’s Bruder in Nienburg ankamen und endlich duschen konnten.
Foto:Andreas Tille http://fam-tille.de/england/london/2001_009.html, Lizenz:GNU Free Documentation license
Thema: Erinnerungen | 2 Kommentare




