Berlinerfahrung
Donnerstag, 12. Juni 2008 | Autor: mouchi
Ein wenig bin ich noch immer zwischen Berlin und Hamburg hin und her gerissen. Aber in einer anderen Richtung als der Hamburg vs. Berlin Blog. Ich würde meinen Lebensmittelpunkt mittlerweile in Berlin ansiedeln, auch wenn ich in Hamburg arbeite. Beim Nachdenken fällt mir meine erste Erfahrung mit Berlin ein.
Eigentlich wollte ich immer Fussball spielen und habe meine Eltern immer wieder bearbeitet, in einen Fussballverein eintreten zu dürfen. Aber meinen Eltern war dieser Sport einfach zu proletarisch, und nach vielerlei Diskussionen wurde ein Kompromiss geschlossen: Ich durfte in die Leichtathletikabteilung des SV St. Georg eintreten (die Leichtathletik auf der Ebene der Leistungsklasse dort firmiert heute unter dem Namen LG Hammer Park LH Eilbek). Der Verein war renommiert genug, damals kamen besonders 400m Läufer auf nationaler Ebene von diesem Verein.
Das Training bei St. Georg half mir ungemein, damals gab es in den Schulen die so genannten Bundesjugendspiele, bei denen in einem Dreikampf eine kleine oder eine große Urkunde erlangt werden konnte. Die “große” war eine Urkunde des Bundespräsidenten und zu meiner Zeit wurde sie folgerichtig als “Lübkeurkunde” tituliert. Ich hatte nie eine solche Urkunde gewonnen, aber ein Jahr nach meinem Eintritt bekam ich dann doch plötzlich eine Lübkeurkunde.
Die aktive Mitgliedschaft im Verein ging immer einher mit der Beteiligung an Sportfesten, profan auch Wettkämpfen genannt. Und so wurde ich eines Tages ausersehen, den SV St. Georg bei einer Hallenveranstaltung des SV Charlottenburg in Berlin zu vertreten, sowohl im Sprint, als auch in der Staffel.
Die Anreise erfolgte mit dem Bus, aber nur sehr spät erkannten meine Eltern, dass die Fahrt über die B5 ging, die Transitstrecke durch die DDR. Und auch als Jugendlicher/Kind brauchte man damals für die Fahrt einen Ausweis, den ich nicht hatte.
Die Fahrt sollte am Samstag Morgen losgehen, und am Tag davor brach dann plötzlich die Hektik aus. Und schon damals, oder besser, besonders damals lief bei den Behörden am Freitag nicht mehr viel. Ich sah meine Beteiligung am Wettkampf schon schwinden, aber wir fanden dann einen so genannten Notdienst, und spät am Freitag Abend hielt ich dann meinen frischen Kinderausweis in den Händen.
Gewonnen hatte meine Mannschaft nicht, aber ich war das erste Mal in Berlin. Welche entscheidende Bedeutung diese Stadt einmal für mich haben würde, habe ich damals allerdings nicht ahnen können.




