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Leyli

Mittwoch, 28. Januar 2009 | Autor: mouchi

Schwarz-weiße KatzeIrgendwann war es dann angesagt, in diese kleine Wohnung ein Haustier aufzunehmen. Ich war mir mit E. einig, dass es eine Katze sein musste, und dann war sie plötzlich da, eine schwarz-weiße Hauskatze.

Die Benennung war schon eine kleine Brainstormingaktion, aber es setzte sich die türkische Kulturneigung von E. durch und sie wurde Leyli genannt. Leyli ist die türkische Variante eines berühmten orientalischen Liebespaares, Leyla und Madschnun (Leila und der Narr).

In einer Überlieferung kennen sich Leila und Madschnun von Kindesbeinen an. In einer anderen Tradition treffen sie sich zufällig auf einem Fest. Die Hauptfigur Qais schlachtet sein Kamel als Beitrag zu dem Fest, verliebt sich in Leila und hält später um ihre Hand an. Ihre Eltern sind gegen ihre Liebe und Heirat. Sie versuchen mit allen erdenklichen Methoden, die beiden von einander zu trennen und verheiraten Leila mit einem gewissen Ward bin Mohammed al- ʿUqaili. Qais verkraftet das nicht. Er verliert den Verstand und lebt fortan halbnackt unter wilden Tieren. Sein Vater nimmt ihn mit auf einer Pilgerreise, doch seine Verwirrung steigert sich. In lichten Momenten komponiert er Verse über seine verlorene Liebe. Bis zu seinem Tod trifft er Leila nur noch ein einziges Mal. (Quelle: wikipedia).

Es war sicher kein Zufall, dass Leyli den Namen einer unglücklich Verliebten bekam, im Nachhineinan betrachtet war uns beiden damals schon klar, dass die tragische Liebe auch für uns ein Zeichen war.

Aber ich liebte Leyli und brachte ihr solch nervige Kunststücke bei wie die, Türklinken einfach aufmachen zu können. Unsere Gäste liebten sie auch, ich erinnere mich daran, wie sie, wenige Wochen alt, sich auf dem Schoss meiner heimlichen (unerwiderten) Liebe W. es sich ganz gemütlich machte. Und auch mit meiner Geliebten S. verstand sie sich nicht schlecht.

Als E. nach dem Tod ihrer Eltern in deren Wohnung nach Rheinland-Pfalz zog, nahm sie Leyli und eine später zugelaufene Katze mit. Leyli lernte das das Streunen und ich erinnere mich daran, wie sie in meinem Beisein im Flur der süddeutschen Wohnung ganz unglücklich und verzweifelt zwei Totgeburten zur Welt brachte.

Ich habe beide Katzen zurückgelassen und auch nicht reagiert, als ein von E. beauftragter Bote meinte, ich solle zurück kehren, eine der Katzen sei gestorben. Welche es war, weiß ich nicht.

Foto: Imageman. Das Foto kommt der Leyli meiner Erinnerung von allen, die ich im Web fand, am Nächsten.

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Altona Altstadt

Mittwoch, 21. Januar 2009 | Autor: mouchi

AltbeukücheNach einem Jahr in England waren wir glücklich, von einem Verwandten des Freundes meiner Schwester (oder war er damals schon mein Schwager?) diese kleine Altbauwohnung in Hamburg-Altona übernehmen zu können. Die Straße war eine etwa 40 m lange Sackgasse mit vier Hausnummern, kopfsteingepflastert. DIe Wohnung lag im Erdgeschoss, 2 Zimmer, Küche und WC mit Dusche, alles zusammen weniger als 40 qm, man kann sich also die Größe der Zimmer vorstellen, vor allem wenn ich noch den Fakt nachschiebe, dass die Küche der größte Raum war.

Die Miete war attraktiv gering, auch für die Verhältnisse Anfang der 70er, wenn ich mich recht erinnere, waren es beim Einzug 88 DM (nach jetziger Währung etwas mehr als 45 Euro). Die monatliche Stromrechnung war teurer, denn außer einem Kohleherd in der Küche hatte die Wohnung keine Heizungsmöglichkeit, wir heizten also mit elektrischen Ölradiatoren, Tagstrom natürlich. Hervorstechendstes optisches Merkmal war die Tapete, ein großflächiges gelb-braunes Muster, typisch für die Zeit.

Die Einrichtung wurde studentisch improvisiert, unbehandelte Spanplatten wurden zu Regalen zusammengeschraubt, ebenso bestanden die beiden Schreibtische aus Spanplatten mit angeschraubten Beinen, an Formaldehydausdünstungen hat damals noch niemand gedacht. Die kombinierten Bettsofas waren zusammen gestellt aus den typischen dreiteiligen Matratzen der Ehebetten aus den 50er und 60ern. Highlight der Zusammenstellung waren zwei Stahlrohrsessel mit Cordkissen, in grellem Orange.

Immerhin gab es warmes Wasser, die fast fertig gebaute Dusche (unterhalb konnte man in den Keller sehen) und das Waschbecken im Bad wurden von einem Durchlauferhitzer gespeist, das einzelne Porzellanabwaschbecken in der Küche von einem 5-Liter-Speicher versorgt. Da passt es natürlich auch, dass der Küchentisch und die zwei Stühle aus den frühen 60ern stammten.

In dieser Wohnung, später nur teilweise renoviert, habe ich etwa 10 Jahre gewohnt, allerdings entspannte sich die Situation später durch die Anmietung einer etwas größeren Wohnung im ersten Stock des gleichen Hauses. Es entspannte sich aber nur die Wohnsituation, die Paarsituation spitzte sich zu und alles führte irgendwann Anfang der 80er dazu, dass ich in einer Nacht- und Nebelsituation meine Sachen zusammen sammelte und in einen anderen Stadtteil zog.

Dazu ein andermal mehr.

Foto: Deutsches Bundesarchiv (German Federal Archive), Bild 183-31446-0002, Lizenz: Creative Commons Attribution ShareAlike 3.0 Germany. Vielleicht ist es kein Zufall, dass dies ein Bild aus Ostberlin in den 60ern ist. Die Frau passt ganz und gar nicht, aber Becken und Wasserbereiter kommen schon ganz gut hin.

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