Seuche
Dienstag, 3. Juni 2008 | Autor: mouchi
Gerade hatte ich sie kennen gelernt. Irgendwie hatte sie es mir nicht erzählt in den ersten Wochen unserer Beziehung, aber irgendwann musste sie mir die Krankheit beichten. Eigentlich hatte ich damals, in der Mitte der 80er Jahre gedacht, sie sei längst ausgestorben. Sie galt als Armutskrankheit, nach dem Tod meiner Mutter hatte ich erfahren, dass auch sie daran gelitten hatte. Allerdings hatte sie es geschafft, das vor ihrem Mann, meinem Vater geheim zu halten, wir Kinder waren einfach zu klein. Als ich wegen der anderen Krankheit im Alter von einem Jahr monatelang im Krankenhaus war, war meine Mutter offensichtlich im Sanatorium oder zumindest in Behandlung.
Und jetzt erfuhr ich, dass auch meine frische Liebe diese Krankheit hatte. Es liess sich nicht mehr verheimlichen, denn die Behörden gehen in solchen Fällen ganz strikt nach dem Bundesseuchengesetz vor und kontrollieren. Da wurden alle Kontakte erfragt und die wurden dann zur Untersuchung geladen. Und irgendwelche Therapiemaßnahmen wurden auch vorgeschrieben. Auch das kannte ich selbst von mir und der anderen Krankheit, bei der mich die Gesundheitsämter bis zum Alter von 18 Jahren unter Beobachtung hatten.
Es wurde bei ihr ein stationärer Sanatoriumsaufenthalt angeordnet, da ließ sich die Krankheit nicht mehr verheimlichen, sie musste für eine längere Zeit ins Lungensanatorium. Tuberkulose, auch Schwindsucht genannt, war die Diagnose. Wie gesagt, sie galt als ausgestorben, aber trat dann plötzlich wieder auf, besonders bei Leuten, die irgendwelchen Kontakt zu Drogensüchtigen hatten.
Das Sanatorium lag im Süden der Stadt, kein Zauberberg, keine Romantik, einige prosaische Backsteinbauten im Wald. Richtig stationär war der Aufenthalt nicht, es ging darum, die Medikamente unter Aufsicht zu nehmen, Freigang war erlaubt, manchmal konnte sie auch fürs Wochenende in die Stadt kommen. Die anderen Patienten passten zum eben beschriebenen Milieu, auf jeden Fall wurde kräftig geraucht und wohl auch häufig in der Dorfkneipe gesoffen.
Sie hatte Rückenprobleme und deshalb immer Schmerzmittel dabei und Einwegspritzen. Als die Pfleger das entdeckten, da stand sie kurz vor dem Rauswurf und schärferen Maßnahmen, denn natürlich dachten die Pfleger in Anbetracht der Klientel, dass sie zur Gruppe der Konsumenten von harten Drogen gehörte.
Einfach war die Zeit nicht, für einen Besuch musste ich 50 km hin und wieder zurück fahren, aber die Liebe half, das durchzustehen. Irgendwann war die Krankheit dann ausgeheilt und wir konnten unsere neuen Wohnungen genießen.
Was mich im Nachhinein immer wieder beunruhigt hat: Mich hat sie nie dem Gesundheitsamt gemeldet udn ich wurde deshalb auch nie untersucht. Wer weiß, was hätte passieren können.
Bild: ErikH Lizenz: GNU Free Documentation license
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Die dritte und auch letzte Tour führte uns dann nach Frankreich. Mit Gitarre und Rucksack sollte uns der Weg letztlich nach Avignon führen, aber der Weg dahin war beschwerlich. Irgendwo in der Nähe von Dijon steckten wir total fest, aber darüber habe ich
Die zweite Tour ein Jahr später führte A. und mich im nächsten Jahr dann nach Großbritannien. Und von heute aus betrachtet war diese Reise im Jahr 1969 irgendwie als historisch zu betrachten, zumindest haben wir einige heute als historisch bezeichnete Ereignisse erlebt. Aber der Reihe nach.
Insgesamt habe ich als Schüler und Student 3 Tramptouren mit A. gemacht. Die erste davon führte uns in den Süden Deutschlands, das dürfte im Alter von etwa knapp 17 gewesen sein. Wenn ich mich recht entsinne führte uns die Tour nach Miltenberg, das später für mich noch einige Bedeutung gewinnen sollte, dann in den Odenwald und über Heidelberg und Bamberg an den Rhein und zurück nach Hamburg. Natürlich sind solche Erinnerungen immer gefärbt, da kann es schon passieren, dass die Reisen etwas durcheinander geraten.
Die Insel war im Prinzip außerhalb meiner Welt. Heute würde ich sagen, es ist eine Pirateninsel, wo die Einwohner Fremde ausnehmen. Aber schon damals, Anfang der 60er galt sie als teuer und eher für Reiche geeignet, meine Familie gehörte sicher nicht dazu. Und trotzdem passierte es, dass ich, es war im Jahr 1963 oder 1964, glaube ich, die Zeit verschwimmt, jedenfalls war ich in der 6. Klasse, es passierte also, dass ich plötzlich fast drei Monate auf dieser Insel verbrachte.
H. war ziemlich hager, ja man kann sagen, dass er richtig dünn war. Lange Haare, leicht fettig, hatte er und einen eher spärlich wachsenden Vollbart. Er war Fan von Jimi Hendrix und er hielt sich für alternativ. Wenn ich ihn besuchte, dann bereitete seine Freundin garnierte Schnittchen vor, Brot mit gekochtem Schinken, mit Meerrettich garniert.
Offensichtlich werden Käsefondues wieder modern. Jedenfalls habe ich letzte Woche in London wieder mal eines genossen und das rief natürlich Erinnerungen wach an eine Zeit, als so etwas sehr exotisch war.
Schwarz ist der Himmel über Tegel. Der Flughafen ist sehr leer, es wirkt fast so, als ob alle Einwohner und Gäste Berlins zu Hause geblieben sind, wie Tiere, die sich vor einem drohenden Unwetter verkriechen. Er muss zurück nach Hamburg, der schnellste weg ist das Fliegen, mit einer Flugzeuggesellschaft der Alliierten, die das Flugmonopol in der Stadt haben.
Alle reden zur Zeit von Web2.0 und neuen Firmen mit Superideen, die viel Geld machen können. Erinnerungen werden wach an eine Zeit vor 6-8 Jahren, als die so genannte New Economy boomte, junge Firmen bekamen einen Riesenbörsenwert, um dann fürchterlich abzustürzen.
Eigentlich ist es ja am besten, im Studentenwohnheim zu wohnen, wenn man als ausländischer Student nach London kommt. Aber sie waren für das Jahr im Ausland an zwei verschiedenen Universitäten eingeschrieben und beider Stipendien waren gut, ja sogar sehr gut, weil das englische Pfund gerade dramatisch an Wert verlor. Also suchten sie sich eine möblierte bleibe, für die sie mehr bezahlen konnten, als sie es sich in Deutschland jemals hätten leisten können.


