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Glaubwürdigkeit

Donnerstag, 7. Mai 2009 | Autor: mouchi

Dichtung und WahrheitWas ist Wahrheit? Holt mir das Waschbecken, würde Pontius Pilatus sagen.
Heinrich Heine

Es ist schon nicht einfach mit der Wahrheit, der Lüge und der Glaubwürdigkeit. Es wird ja gesagt, dass ein durchschnittlicher Mensch ungefähr zweihundertmal am Tag nicht die Wahrheit sagt. Und auch was denn nun eigentlich die Wahrheit ist, darüber kann man sehr lange und ausgiebig streiten. Es ist schon was dran, dass jeder Mensch seine Umgebung anders sieht und es dann keine Objektivität gibt, weil nur subjektive Wahrheiten aufeinander treffen.

Es gibt viele Gründe für Unwahrheit oder Lüge, die häufigste Entschuldigung ist die der gnädigen Lüge, dass man seinem Gegenüber Schmerz ersparen will. Sicherlich eng damit gekoppelt ist häufig der Selbstschutz, dass man sich vor Verletzungen schützen möchte. Entschuldbar ist das sicher nicht unbedingt, aber irgendwo nachvollziehbar, Es gibt sicher keinen Menschen, der immer und in jeder Situation wahrhaftig ist.

Es gibt aber spezielle Situationen, in denen Wahrheit und Unwahrhaftigkeit voll aufeinander prallen. Und diese Situation ist der Krieg. Kriege gibt es viele, bei dem zwischen Staaten mit Waffengewalt wird gelogen, dass die sich die Balken biegen, alle wissen das und nennen es Propaganda. Über diesen Krieg will ich aber nicht reden, sondern über den Beziehungskrieg. Auch hier wird von den Beteiligten jedes Mittel der Propaganda eingesetzt, ohne Rücksicht auf Verluste. Natürlich ist das im wesentlichen Selbstschutz, es ist ja schon schlimm genug, von einer geliebten Person zurückgewiesen werden, da sucht man natürlich bei allen anderen die Bestätigung, dass man selbst doch eigentlich ganz liebenswert sei und es im Grunde der oder die andere sich als Schwein aufführt.

Als Außenstehender kann man sich da nur zurück halten, denn man hat selber keine objektiven Mechanismen festzustellen, ob einer der Beteiligten glaubwürdig ist oder nicht. Es bleibt den Außenstehenden nichts anderes übrig, als alle Aussagen der Beteiligten mit einer gehörigen Skepsis zu betrachten und sich als neutraler Zuhörer, ja, fast als Mediator anzubieten, der mässigend auf die Beteiligten einwirkt. Und ich weiß, dass ich da eigentlich gar nicht so schlecht bin, man muss das Angebot nur annehmen. Manchmal gibt es etwas, was plötzlich die Glaubwürdigkeit einer der handelnden Personen radikal verändert, wie das folgende Beispiel zeigt.

A und B sind hier betroffene Personen, X und Y unbeteiligte. A schreibt dem X unverlangt eine Email, in der er erklärt, dass X doch einige Tatsachen über B wissen müsste, die, wie er meinte, B dann doch ein einem etwas schlechterem Licht da stehen lasse. Und die Dinge die A anführte, die waren dann doch nicht ohne. Natürlich räumte A einige nicht schlimme Fehler ein und versuchte auch noch Y mitverantwortlich zu machen. X las die Email einmal, zweimal, ja, auch noch ein drittes Mal. Und X konnte keine einzige Tatsache in der Mail finden, die ihm nicht bekannt war. Denn B hatte von allen Fakten schon selber gesprochen, auch wenn sie unvorteilhaft für ihn waren.

Da ließen sich für X dann doch einige Schlüsse ziehen über die beiden beteiligten Personen.

Über B, der Sachen erzählt hatte, die unvorteilhaft für ihn waren, bekam X die Bestätigung, dass seinen Aussagen doch zu trauen ist, A hatte es ja unwissentlich bestätigt, da bekamen natürlich auch andere Tatsachen, die A nicht erwähnt hatte, ein ganz anderes Licht, eine Tendenz zur Wahrheit.

Aber auch über A und sein Verhältnis zur Wahrheit, er ging ja davon aus, dass es natürlich sei, gewisse Sachen zu verschweigen, wenn sie unvorteilhaft sein könnten. Was verschweigt er X sonst? Zumindest hat er auch versucht, jemand vollkommen unbeteiligtes für die Entwicklung mit verantwortlich zu machen.

Plötzlich waren dann die Wahrheitsfronten für X geklärt, besonders da die beteiligte C es vorzog zu schweigen. So können aus intrigantem Verhalten Eigentore entstehen.

Es wird niemals so viel gelogen wie vor der Wahl, während des Krieges und nach der Jagd.
Otto von Bismarck

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Berlinerfahrung

Donnerstag, 12. Juni 2008 | Autor: mouchi

SV St. Georg von 1895Ein wenig bin ich noch immer zwischen Berlin und Hamburg hin und her gerissen. Aber in einer anderen Richtung als der Hamburg vs. Berlin Blog. Ich würde meinen Lebensmittelpunkt mittlerweile in Berlin ansiedeln, auch wenn ich in Hamburg arbeite. Beim Nachdenken fällt mir meine erste Erfahrung mit Berlin ein.

Eigentlich wollte ich immer Fussball spielen und habe meine Eltern immer wieder bearbeitet, in einen Fussballverein eintreten zu dürfen. Aber meinen Eltern war dieser Sport einfach zu proletarisch, und nach vielerlei Diskussionen wurde ein Kompromiss geschlossen: Ich durfte in die Leichtathletikabteilung des SV St. Georg eintreten (die Leichtathletik auf der Ebene der Leistungsklasse dort firmiert heute unter dem Namen LG Hammer Park LH Eilbek). Der Verein war renommiert genug, damals kamen besonders 400m Läufer auf nationaler Ebene von diesem Verein.

Das Training bei St. Georg half mir ungemein, damals gab es in den Schulen die so genannten Bundesjugendspiele, bei denen in einem Dreikampf eine kleine oder eine große Urkunde erlangt werden konnte. Die “große” war eine Urkunde des Bundespräsidenten und zu meiner Zeit wurde sie folgerichtig als “Lübkeurkunde” tituliert. Ich hatte nie eine solche Urkunde gewonnen, aber ein Jahr nach meinem Eintritt bekam ich dann doch plötzlich eine Lübkeurkunde.

Die aktive Mitgliedschaft im Verein ging immer einher mit der Beteiligung an Sportfesten, profan auch Wettkämpfen genannt. Und so wurde ich eines Tages ausersehen, den SV St. Georg bei einer Hallenveranstaltung des SV Charlottenburg in Berlin zu vertreten, sowohl im Sprint, als auch in der Staffel.

Die Anreise erfolgte mit dem Bus, aber nur sehr spät erkannten meine Eltern, dass die Fahrt über die B5 ging, die Transitstrecke durch die DDR. Und auch als Jugendlicher/Kind brauchte man damals für die Fahrt einen Ausweis, den ich nicht hatte.

Die Fahrt sollte am Samstag Morgen losgehen, und am Tag davor brach dann plötzlich die Hektik aus. Und schon damals, oder besser, besonders damals lief bei den Behörden am Freitag nicht mehr viel. Ich sah meine Beteiligung am Wettkampf schon schwinden, aber wir fanden dann einen so genannten Notdienst, und spät am Freitag Abend hielt ich dann meinen frischen Kinderausweis in den Händen.

Gewonnen hatte meine Mannschaft nicht, aber ich war das erste Mal in Berlin. Welche entscheidende Bedeutung diese Stadt einmal für mich haben würde, habe ich damals allerdings nicht ahnen können.

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