Turkish Delights
Montag, 7. April 2008 | Autor: mouchi
Eines meiner Mottos ist: “When you are with the Romans, eat with the Romans”. Sagt ja nichts Anderes, als dass man mit den Leuten im besuchten Land die Küche teilen soll. Nichts anderes war mein Motto bei meinen Besuchen in der Türkei.
Als wir hin kamen bot man uns ein komplett unbekanntes Getränk an, den Ayran, Joghurt mit Wasser gemixt und auf verschiedene Weisen gewürzt, richtig lecker. Irgendwann haute uns aber dieser Drink ins Bett und dreiTage waren wir nicht ansprechbar. Das führte zu Montezumas Rache, wie man den Durchfall nannte, vielleicht wegen der Fussball-WM in Mexiko im Jahr 1970, irgendwann war dieser Zustand aber vorbei und seitdem bin ich immun, glaube ich jedenfalls. Aber das war erst möglich nach 3 Tagen im Bett oder ersatzweise auf dem Klo, es ging dann wieder und seitdem ist es vorbei.
Danach konnte ich mich auf die türkische Küche einlassen, und ich zähle die authentische Kochweise zu den großen Küchen der Welt. Einen speziellen Platz in meiner Erinnerung hat der “Bursali Döner”, ein Dönerteller in der Wiege dieses Gerichtes mit feiner Buttersauce, ein Gescmack, Erinnerung, wie ich ihn danach nicht mehr gefunden habe bis jetzt.
Damals waren wir immer einquartiert in ein Hotel in der Nähe des Topkapi-Palastes und irgenwann entwickelt man fast familiäre Gefühle für das Personal. Irgendwann waren wir dran, wir hatten leichtsinnigerweise versprochen, ein deutsches Essen zu machen für die Hotelbesatzung.
Der Speiseplan war, leicht international, mit Rührei gefüllte Tomaten und als Hauptgang ein klassisches deutsches Hühnerfrikassee. Soweit, so gut, wir gaben also die Zutaten weiter an die Hotelbesatzung, die sich erboten hatten, den Einkauf zu erledigen. Als die dann ankamen waren wir ein wenig geschockt, denn als Studenten hatten wir die Preise für deutsche Hähnchen im Kopf, Tiefkühlware natürlich.
Hier aber kamen sie, ein Huhn mit Kopf, Füssen, vielen Federn, zu einem horrenden Preis, Istanbuler Luxus. Zum Glück erinnerte ich mich an die Kocherfahrungen mit meiner Großmutter, und was zu tun ist. Ich habe die Galle korrekt entfernt. Wir bereiteten also das typisch deutsche Essen im Hinterzimmer des Hotels auf einem Propangaskocher mit nur einer Flamme. Bei aller Improvisation, es war ein Erfolg.
Ein wichtiges Fest im Islam, das wir auch in Istanbul kennen gelernt haben, ist der Ramadan. Es ist schon eine merkwürdige Erfahrung, als offensichtlicher Europäer wird es toleriert, wenn du auch ausserhalb der normalen Essenszeiten isst. Die Türken bestellen ihr Essen, warten aber vor dem gefüllten Teller, bis der Ruf des Muezzins das Ende des Fastens verkündet. Vor dem Restaurant steht jemand, lauscht der nächsten Moschee und ruft in den Raum, dass es soweit sei, und alle stürzen sich auf ihre längst bestellten Menüs.
Irgendwann ist es dann mit dem Fasten vorbei und die Muslims feiern das Zuckerfest. Nach dem Mosscheebesuch wird der restliche Tag genutzt, um die Verwandtschaft und Bekanntschaft zu besuchen. Dabei werden meist Süßigkeiten gereicht.
Das war natürlich auch in unserem Hotel so. Die Angestellten kamen an mit zweierlei, in der einen Hand eine Flasche mit einer Flüssigkeit, in der anderen eine Schachtel mit Lokkum, im Westen auch türkischer Honig genannt, Die undefinierte Flüssigkeit war nichts anderes als ein Eau de Cologne, es wurde erwartet (der Islam ist eine sehr reinliche Religion), dass die Hände mit der Flüssigkeit gereinigt wurde, bevor man bei der Süßigkeit zulangen konnte.
Es gab daher einen Riesenlacher, als ein amerikanischer Gast des Hotels, nachdem man ihre Hände mit der Flüssigkeit füllte, die Tropfen trank, anstatt ihre Hände damit zu reinigen.
Foto: schuelert, Photo is public
Thema: Erinnerungen | Kommentare geschlossen



Meine ersten Eindrücke aus der Türkei sind im Artikel “
Von seiner Abfindung als Bundeswehr Z8-Soldat hat sich mein Vater nicht nur eine Ausbildung als Buchhalter geleistet, sondern sich auch das erste Auto der Familie gekauft, einen VW Käfer ungefähr des Baujahres 1965. Die Farbe war irgendwie bordeauxrot, und der Wagen war neu, nicht so wie auf dem Foto mit fehlenden Chromzierleisten. Irgendwann auf der Rückkehr nach einem Besuch bei meinen Großeltern in Lübeck blieb der Wagen dann ca. im Jahr 1970 auf der Autobahn zurück nach Hamburg stehen. Diagnose: Motorschaden.
Er rennt, läuft weg. Läuft, weiß, er muss laufen, mit baren Füßen im Sand. Immer weiter, weiter, nur fort, fort, fort. Die Landschaft öffnet sich nicht, immer nur Sand, Sand, Sand. Und laufen, laufen. Halt, warum laufen? Nein, das kann es nicht sein. Sich wehren, die MP rausholen, zurück schießen. Schießen? Nein, nein, nein. Es hilft nicht, es kommt kein Schuss. Weiter, laufen, weiter. Zur Oase? Zur Oase.
Heute ist die Türkei ja so etwas wie ein Billigurlaubsland und die Strände sind mit international standardisierten Hotelbauten zugepflastert. Damals war das alles noch anders. Als Studentin von Geschichte und Kultur des Vorderen Orients wollte sie unbedingt eines der Länder besuchen, und die Wahl fiel auf das nahe liegendste, die Türkei.
Zum Fest der Eier, auch Ostern genannt, ist es nur zu natürlich, dass neues Leben entsteht. Und ich will dazu mein Teil dazutun, in dem ich dieses Blog zum Leben erwecke. Ich stelle mir vor, hier all das zu hinterlassen, was über mein tägliches Leben hinaus geht, also weniger ein Tagebuch, mehr eine Gedankenwiese. Auf denn, ich bin gespannt!
