Erinnerungen an Sylt
Dienstag, 6. Mai 2008 | Autor: mouchi
Die Insel war im Prinzip außerhalb meiner Welt. Heute würde ich sagen, es ist eine Pirateninsel, wo die Einwohner Fremde ausnehmen. Aber schon damals, Anfang der 60er galt sie als teuer und eher für Reiche geeignet, meine Familie gehörte sicher nicht dazu. Und trotzdem passierte es, dass ich, es war im Jahr 1963 oder 1964, glaube ich, die Zeit verschwimmt, jedenfalls war ich in der 6. Klasse, es passierte also, dass ich plötzlich fast drei Monate auf dieser Insel verbrachte.
Man muss dazu wissen, dass während meiner ganzen Jugend das Gesundheitsamt einen Blick auf mich hatte, denn als Säugling war ich an einer meldepflichtigen Seuche erkrankt, der Polio, und das bewirkte, dass ich mich während meiner ganzen Jugend jährlich beim Amtsarzt vorzustellen hatte. Und der sorgte immer mal wieder dafür, dass ich einer Kur ausgesetzt wurde, ob das immer ein Segen war, weiß ich nicht, aber es war halt so.
Im zweiten Jahr auf dem Gymnasium wurde ich dann für sechs Wochen nach Sylt “verschickt”, wie man damals sagte. Es war am Anfang des Schuljahres und so richtig glücklich war ich damals nicht, als ich am Anfang des Schuljahres herausgerissen und nach Sylt verfrachtet wurde. Das Prinzip so eines “Kurlaubs” hieß damals, essen, essen, und frische Luft genießen. Im Alter von 11-12 war immer ein wenig Heimweh dabei, auch wenn es für mich nicht das erste Mal war. Die Freizeit wurde ausgefüllt mit Wanderungen oder der Aufführung von mehr oder weniger lustigen Sketchen.
Ich war also glücklich, als es wieder zurück ging und was musste ich erfahren? Fast unmittelbar ging es wieder auf die Insel, diesmal unter anderen Vorzeichen, es war eine Klassenreise. Fast dreißig Schüler machten sich also mit der exotischen “Lastwagenbahn” von Westerland auf ins “Heim” nach Wenningstedt. Da war dann nicht das Zunehmen das Ziel, im Gegenteil, der Klassenlehrer erklärte der reinen Jungensklasse in der beginnenden Pubertät, dass das Essen von mehr als drei Scheiben Brot reine Fresssucht sei, in einer Situation, wo wir bis zu neun Scheiben beim Abendbrot verdrückten.
Dieser Appetit war natürlich auch bedingt durch gewisse Strafmaßnahmen, einem Klassenkameraden war das Portemonnaie verloren gegangen und in der Annahme, dass es geklaut war, natürlich von einem von uns, wie der Klassenlehrer annahm. Da sich keiner dazu bekannte, erinnere ich mich besonders an Strafrunden rund um den Sportplatz, was den Appetit natürlich anregte. Der “Täter” fand sich natürlich nicht.
So richtig positiv sind die Erinnerungen also nicht, aber so war die erste Hälfte der Sechziger, das Danach kam ja nicht von ungefähr.
Foto: Peter Breitenfeld (zeigt Mitreisende der Klasse, aber nicht mich)
Thema: Erinnerungen | 13 Kommentare

H. war ziemlich hager, ja man kann sagen, dass er richtig dünn war. Lange Haare, leicht fettig, hatte er und einen eher spärlich wachsenden Vollbart. Er war Fan von Jimi Hendrix und er hielt sich für alternativ. Wenn ich ihn besuchte, dann bereitete seine Freundin garnierte Schnittchen vor, Brot mit gekochtem Schinken, mit Meerrettich garniert.
Offensichtlich werden Käsefondues wieder modern. Jedenfalls habe ich letzte Woche in London wieder mal eines genossen und das rief natürlich Erinnerungen wach an eine Zeit, als so etwas sehr exotisch war.
Alle reden zur Zeit von Web2.0 und neuen Firmen mit Superideen, die viel Geld machen können. Erinnerungen werden wach an eine Zeit vor 6-8 Jahren, als die so genannte New Economy boomte, junge Firmen bekamen einen Riesenbörsenwert, um dann fürchterlich abzustürzen.
Eigentlich ist es ja am besten, im Studentenwohnheim zu wohnen, wenn man als ausländischer Student nach London kommt. Aber sie waren für das Jahr im Ausland an zwei verschiedenen Universitäten eingeschrieben und beider Stipendien waren gut, ja sogar sehr gut, weil das englische Pfund gerade dramatisch an Wert verlor. Also suchten sie sich eine möblierte bleibe, für die sie mehr bezahlen konnten, als sie es sich in Deutschland jemals hätten leisten können.
Eines meiner Mottos ist: “When you are with the Romans, eat with the Romans”. Sagt ja nichts Anderes, als dass man mit den Leuten im besuchten Land die Küche teilen soll. Nichts anderes war mein Motto bei meinen Besuchen in der Türkei.
Meine ersten Eindrücke aus der Türkei sind im Artikel “
Von seiner Abfindung als Bundeswehr Z8-Soldat hat sich mein Vater nicht nur eine Ausbildung als Buchhalter geleistet, sondern sich auch das erste Auto der Familie gekauft, einen VW Käfer ungefähr des Baujahres 1965. Die Farbe war irgendwie bordeauxrot, und der Wagen war neu, nicht so wie auf dem Foto mit fehlenden Chromzierleisten. Irgendwann auf der Rückkehr nach einem Besuch bei meinen Großeltern in Lübeck blieb der Wagen dann ca. im Jahr 1970 auf der Autobahn zurück nach Hamburg stehen. Diagnose: Motorschaden.



