Home

Tag-Archiv für » Istanbul «

Backgammon

Dienstag, 1. April 2008 | Autor: mouchi

TavlabrettIch spiele eigentlich sehr gern. Mit meiner Frau spiele ich ganz häufig Patrizier über das lokale Netz. Es gab aber Zeiten, da gab es die Möglichkeit nicht, über das Netz zu spielen, ja, nicht einmal mit dem Computer. Da blieb einem nur die Alternative der Brettspiele.

Eines der großen Spiele der Welt ist Backgammon, das in vielen Ländern gespielt wird. Auch hier in Deutschland war es sehr populär, die Zeiten scheinen aber mittlerweile vorbei zu sein. Vor 20 Jahren waren zumindest Backgammonspiele sehr prominent in den Spielwarenläden ausgestellt.

Ich habe dieses Spiel in der Türkei gelernt, dort ist es unter dem Namen Tavla so etwas wie ein kleiner Nationalsport. In den frühen 70er Jahren war ich mit E. fast jedes Jahr in der Türkei. E. brach meistens morgens auf in die Bibliothek der Süleymaniye Moschee, um dort nach alten Manuskripten zu suchen und diese durchzuarbeiten für eine Promotion, von der ich nicht weiß, ob sie diese jemals vollendet hat.

Ich war also allein gestellt, den Tag für mich zu gestalten. Nach dem zweiten Besuch hatte ich eigentlich die wichtigsten Sehenswürdigkeiten in Istanbul abgehakt und entschied mich mehr und mehr dazu, den Tag in der Lobby des Hotels zu verbringen. Wie das Hotel hieß, weiß ich nicht mehr, ich bin mir ziemlich sicher, dass es nicht mehr existiert, Istanbul hat sich zu sehr verändert, um an der Mauer des Topkapi-Palastes Platz zu ahben für ein Hotel, dass man heute sicher eher in die Kategorie Backpacker-Hostel einreihen würde, also eine Unterkunft für Rucksacktouristen.

Bei meinem Abhängen im Hotel kam ich irgendwann dann in Kontakt mit einem Türken. Er war Mechaniker in einer Autowerkstatt um die Ecke, und die Begegnung war eigentlich recht witzig, denn er sprach kein Deutsch und ich nur ganz rudimentär Türkisch. Aber wir verständigten uns irgendwie mit Händen und Füßen und trafen uns mehrfach zum SPielen, denn wir hatten uns geeinigt, dass er mir Tavla bei brachte. Ich sehe die Situation noch genau vor mir, wie ich auf Türkisch die geworfenen Würfelaugen und die entsprechenden Züge durchzählte. Das Zählen bei Tavla ist anders als das normale Zählen, die wichtige “Sechs” wird nicht mit dem türkischen, sondern mit dem persischen Wort bezeichnet.

Die Situation war teilweise sehr witzig, denn ich lernte rasch und wurde besser und besser, bei ihm bildeten sich Schweißperlen auf der Stirn, denn er begann mehr und mehr gegen den langhaarigen Deutschen zu verlieren. Und richtige Diskussionen waren aufgrund der Sprachprobleme nicht zu erwarten, es saßen also beide da und das Einzige, was man hörte, waren die Zahlen, bir, iki, üç, dört beş, ṣeṣ (statt altı) usw. usw.

Letztlich hat er dann doch ein oder zwei Spiele mehr gewonnen und die türkische Ehre gerettet. Es war aber ein schönes Stück Arbeit.

Foto: Bdevel Lizenz: GNU Free Documentation license

Thema: Erinnerungen | 2 Kommentare

Reisen in die Türkei (2)

Montag, 31. März 2008 | Autor: mouchi

LeanderturmMeine ersten Eindrücke aus der Türkei sind im Artikel “Ausstellungsstücke” zu lesen. Ich möchte aber einen Schritt zurück gehen, denn auf der Fahrt nach Istanbul haben wir damals noch diverse andere Eindrücke gehabt. Auf der Fahrt nach Istanbul hatten wir Kontakt geknüpft mit Leuten aus der Stadt, die uns natürlich geholfen haben bei der Ankunft.

Total übermüdet landeten wir im Mısr Çarşısı, dem Ägyptischen Basar, erschöpft zwischen zwitschernden Vögeln, man hatte uns bedeutet, einfach erst einmal zu warten. Die Eindrücke waren fast zu viel und wir warteten wie die Lämmer auf der Schlachtbank, was passieren würde. Natürlich hatten unsere neuen Bekannten entfernte Bekannte, die ein Hotel besaßen und so landeten wir in einem sauberen Billighotel auf der asiatischen Seite von Istanbul. Es war ungewöhnlich, aber nicht unbequem, denn die Fähren in den europäischen Teil der Stadt mit ihren Sehenswürdigkeiten brauchten nicht lange und fuhren häufig.

Die Fahrt über den Bosporus war immer begleitet von Erinnerungen an Hero und Leander, den die Geschichte der beiden Liebenden soll sich hier abgespielt haben. Die Sage von der unglücklichen Liebe des durch das Meer getrennten Paares ist zum erstenmal von einem hellenistischen Dichter dargestellt worden. In Rom diente die traurige Begebenheit Ovid als Hintergrund für zwei leidenschaftliche Briefe der beiden Liebenden. Erst gegen Ende des 5. Jahrhunderts wurde der Stoff von dem Poeten Musaios der Nachwelt überliefert.

Zwei von Natur und Schicksal füreinander bestimmte Liebende finden sich endlich nach einigen Fährnissen. Nach kurzem, heimlichem Glück und nachdem sie sich ein paar Tage nicht sehen können, erkennen sie, daß ein Leben ohne die ständige Liebe des anderen sinnlos ist. Ihre Liebe duldet keine Trennung. Leander stürzt sich trotz großer Gefahr für sein Leben ins Meer, um zu der Geliebten zu schwimmen, und ertrinkt. Hero folgt ihm in den Tod.

An diese Geschichte erinnert der Leanderturm, auch wenn die ursprüngliche Liebesgeschichte zwar in der Nähe, aber nicht hier abgespielt haben soll.

Für ein paar Tage sollte dieser Turm unser Wegweiser zwischen Asien und Europa sein.

Foto: Mehmet Ergun Lizenz: Creative Commons Attribution ShareAlike 2.5

Thema: Erinnerungen | Kommentare geschlossen